Die Ameisenjungfern Zyperns

Ameisenjungfern – Allgemeine Biologie und Arten

Informationen aus der Insektenwelt Zyperns
Informationen aus der Insektenwelt Zyperns
Zypern weist aufgrund seiner Lage eine interessante Fauna auf. Das gilt auch für Ameisenjungfern. Allerdings ist es nicht leicht, sich einen Überblick über die vorkommenden Arten zu verschaffen, wenngleich darunter auch die größte Ameisenjungfer Europas (sowohl im politischen als auch geografischen Sinn) vorkommt. Insgesamt konnte ich 7 Arten ermitteln, die auf Zypern nachgewiesen wurden, eine davon, Delfimeus limassolicus, ist ein Endemit. Doch kurz eine allgemeine Beschreibung der Biologie der Ameisenjungfern.

Allgemeine Biologie der Ameisenjungfern

Die Ameisenjungfern (Myrmeleontidae) bilden eine Familie innerhalb der Netzflügler, einer Ordnung der Insekten. Weltweit gibt es etwa 2000 Arten, davon leben elf in Mitteleuropa. Allgemein bekannter als die nachtaktiven Vollinsekten sind die Larven, die Ameisenlöwen, wegen der besonderen Beutefangmethode einiger Arten. Im englischen Sprachraum wird deshalb auch der Name antlion (= Ameisenlöwe) für das Insekt in allen Entwicklungsstufen benutzt, es gibt keine englische Entsprechung zu „Ameisenjungfer“.
Quelle: wikipedia

Palpares libelluloides ♂, Europas größte Ameisenjungfer 15.06.2013, Agia Varvara, CY
Palpares libelluloides ♂, Europas größte Ameisenjungfer
15.06.2013, Agia Varvara, CY

Ameisenjungfern ähneln in ihrem Körperbau den Libellen und werden deshalb öfters mit diesen verwechselt, gehören aber innerhalb der Insekten in dein völlig andere Gruppe, zu den Netzflüglern (Neuroptera). Auffallend anders als die Libellen sind die großen, keulenförmigen Fühler und ein völlig anderer Körperbau. Auch die Biologie unterscheidet sich deutlich, während Libellen, zumindest in der Larvalentwicklung und Fortpflanzung an ein Gewässer gebunden sind, bevorzugen Ameisenjungfern und ihre Larven, die Ameisenlöwen, trockene Lebensräume. Ausserdem sind die Ameisenjungfer in der Mehrzahl eher dämmerungs- und nachtaktiv, die Libellen fliegen bis in die Abenddämmerung, sind aber tagaktiv.

Lebensweise der Larven – Ameisenlöwen

typische Trichter von Ameisenlöwen in trockenem sandigen Substrat 12.4.2013, Paphos, Tombs of the Kinks, CY
typische Trichter von Ameisenlöwen in trockenem sandigen Substrat
12.4.2013, Paphos, Tombs of the Kinks, CY

Die Weibchen der Ameisenlöwen legen ihre Eier in der Regel in das Substrat, in dem die Larven nachher leben. Wobei nur 10% aller weltweit vorkommenden Arten trichterbauend sind, der Rest sucht aktiv im Substrat (Wurzeldetritus, Sand, morsche und verfaulende Baumstämme) nach Nahrung.

Trichterbauende Arten

Viele Larven von Ameisenlöwen können sich nur rückwärts fortbewegen. Dies sind die trichterbauenden Arten. Vorraussetzung zum Trichterbau ist natürlich lockeres Substrat, wie z.B. Sand oder staubförmiger trockener Boden mit größeren sandkorngroßen Bestandteilen. Deshalb finden wir die Trichter sehr oft in Höhlen, an Hauswänden, unter Baumwurzeln oder an anderen regengeschützen Stellen. Außerdem in Sanddünen.

Die Ameisenlöwen bauen nun Trichter, an deren Grunde sie nun darauf warten, dass zum Beispiel ein kleineres Insekt über den Trichterrand kommt und dann durch die Steilheit in die Mitte des Trichters stürzt, Dort wird es dann mit den zu Fangzangen umgebildeten Mundwerkzeugen ergriffen und dann ausgesaugt.

Der Überlebensvorteil, der zur Entstehung des Trichterbaus führte, dürfte darin bestehen, dass in Extremhabitaten die Notwendigkeit der Bewegungen an der lebensfeindlichen Erdoberfläche auf ein Minimum reduziert werden kann. Zu den Beutetieren der Ameisenlöwen gehören unterschiedlichste Arten von Gliederfüßern, vereinzelt sogar Schnecken und Regenwürmer, also keineswegs ausschließlich Ameisen.

Nicht trichterbauende Arten

In der Verhaltensweise der trichterlos jagenden Ameisenlöwen gibt es erhebliche Unterschiede, allerdings liegen in diesem Bereich nur sehr wenige Beobachtungen vor. Verschiedene Typen der Spezialisierung wurden beschrieben:

Bodenbewohner: Hierzu gehören wohl die meisten Arten. Sie halten sich oft verborgen in der Streuschicht des Bodens auf und lauern, teilweise tagelang, auf herannahende Beute. Andere Arten (z. B. Acanthaclisis baetica) verfolgen aktiv ihre Beute, die sie packen und unter die Sandoberfläche ziehen.

Baumhöhlenbewohner: Einige Arten, darunter der in Deutschland vorkommende Dendroleon pantherinus, jagen im Mulm alter Baumstrünke nach Insekten.

Felsenbewohner: Einige Arten sitzen, teilweise über einen sehr langen Zeitraum, an geschützten Stellen auf Felsen.

Zu den oben beschriebenen Bodenbewohnern gehört mit Palpares libelluloides die größte europäische Ameisenjungfer, die oben abgebildet ist und im mediterranen Raum häufig und weit verbreitet.

Lebensweise der Imagines

Creoleon plumbeus, eine nachtaktive Art, die tagsüber im trockenen Gras verborgen sitzt. 17.6.2013, Peyia, CY
Creoleon plumbeus, eine nachtaktive Art, die tagsüber im trockenen Gras verborgen sitzt.
17.6.2013, Peyia, CY

Die erwachsenen Tiere der meisten Arten sind nachtaktiv, einige, oft bunt gefärbte, Arten in den baumfreien Zonen aber auch tagaktiv, z. B. die Gattung Palpares in Afrika und dem Mittelmeerraum. Tagsüber sitzen die meisten Arten verborgen in der Vegetation, meistens flach an senkrecht stehenden Grashalmen. Die Flügel werden dachförmig über dem Hinterleib zusammengelegt, die Fühler flach an den Untergrund angelegt. In heißen Sandgebieten halten sich die Ameisenjungfern meistens in einer Höhe von 10–40 cm auf, wo sie einerseits der Hitzeausstrahlung des Untergrundes, andererseits der Windeinwirkung am wenigsten ausgesetzt sind. Dennoch beobachten sie auch tagsüber ihre Umgebung, stets bereit, bei Störung aufzufliegen und sich an einem mehrere Meter entfernten Ort wieder niederzulassen.

Die Nachtaktivität setzt in der Dämmerung ein und erreicht vor Mitternacht ihr Maximum. Die Aktivitäten bestehen einerseits aus längeren Suchflügen, andererseits aus stationären Nahrungs- oder Paarungsflügen.

Nahrung

Die Nahrung der Ameisenjungfern besteht hauptsächlich aus Insekten. Während der nächtlichen Flüge konnten die Tiere beim Fang von Kleinschmetterlingen beobachtet werden, die sie mit den Vorderbeinen festhalten, sich auf der nächstliegenden Pflanze niederlassen um ihre Beute zu zerkauen, wobei die Flügel überbleiben. Manchmal nehmen sie auch aus Blüten Nektar und Pollen auf, manche Arten scheinen sich ausschließlich von Blütenpollen zu ernähren. Die langen Sporne an den Tibien mancher Arten werden als Hilfsorgane zum Beuteerwerb gesehen, die spornlosen Arten gelten deswegen hauptsächlich als Blattlausfresser. Größere Arten wie etwa Vertreter der Gattung Acanthaclisis sind dagegen aggressive Jäger.

Ameisenjungfern – Artenliste Zyperns

Folgende Ameisenjungfern sind auf Zypern bekannt:

Palpares libelluloides
Neuroleon microstenus
Morter hyalinus
Gymnocnemia variegata
Delfimeus limassolicus
Cueta lineosa
Creoleon plumbeus

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