Die Kleine Zangenlibelle Onychogomphus forcipatus in Zypern

Die Kleine Zangenlibelle ist der einzige Vertreter der Flussjungfern in Zypern

Alles rund um die Libellen Zyperns
Alles rund um die Libellen Zyperns
In Zypern gibt es eine ganze Reihe von Fließgewässern, die das ganze Jahr über Wasser führen. Dies ist wichtig für einige an Fließgewässer gebundene Arten, darunter fallen natürlich auch einige Libellenarten. Eine davon ist die Kleine Zangenlibelle (Onychogomphus forcipatus).

Die Kleine Zangenlibelle ist über ganz Mitteleuropa bis nach Nordafrika verbreitet und kommt im Osten vor bis Iran und Turkmenistan. Von der Kleinen Zangenlibelle gibt es 3 Unterarten, die Nominatform Onychogomphus forcipatus forcipatus, die in Mitteleuropa bis zu den Pyrenäen und über den Balkan bis nach Griechenland vorkommt. Dann gibt es die westmediterran verbreitete Unterart Onychogomphus forcipatus unguiculatus, die von Nordafrika (Tunesien bis Marokko) über die iberische Halbinsel und Südfrankreich bis nach Nord- und Mittelitalien verbreitet ist.

Kleine Zangenlibelle - Onychogomphus forcipatus albotibialis ♂ der östlichen Unterart 12.05.2013, Agia Varvara, CY
Kleine Zangenlibelle – Onychogomphus forcipatus albotibialis
♂ der östlichen Unterart
12.05.2013, Agia Varvara, CY
Und schließlich die auch auf Zypern vorkommende Unterart Onychogomphus forcipatus albotibialis die ein ostmediterranes Faunenelement ist. Ihr Verbreitungsgebiet reicht von Zypern und einigen östlichen griechischen Inseln über die Türkei bis nach Iran und Turmenistan.

Es wird über die verschiedenen Unterarten diskutiert, da sie sich morphologisch deutlich unterscheiden und in den Gebieten, in denen sich verschiedene Unterarten berühren oder überschneiden keine Hybriden vorkommen. Deshalb ist der Artstatus der einzelnen Unterarten auch in der Diskussion.

Erkennen der Kleinen Zangenlibelle

Kleine Zangenlibelle - Onychogomphus forcipatus albotibialis ♂ der östlichen Unterart, deutlich zu sehen sind die für Flussjungfern (Gomphidae) typischen getrennten Augen 12.05.2013, Agia Varvara, CY
Kleine Zangenlibelle – Onychogomphus forcipatus albotibialis
♂ der östlichen Unterart, deutlich zu sehen sind die für Flussjungfern (Gomphidae) typischen getrennten Augen
12.05.2013, Agia Varvara, CY
Kleine Zangenlibelle - Onychogomphus forcipatus albotibialis ♂ der östlichen Unterart, deutlich zu sehen sind die für die ♂ typischen Zangen am Hinterleibsende 12.05.2013, Agia Varvara, CY
Kleine Zangenlibelle – Onychogomphus forcipatus albotibialis
♂ der östlichen Unterart, deutlich zu sehen sind die für die ♂ typischen Zangen am Hinterleibsende
12.05.2013, Agia Varvara, CY
Flussjungfern sind in Zypern nur mit einer Art vertreten, der Kleinen Zangenlibelle. Flussjungfern zeichnen sich unter anderem dadurch aus, dass es sich um eine Großlibellengruppe mit deutlich getrennten Augen handelt, das kann man auf dem linken Foto sehr schön erkennen. Den Namen haben diese Libellen von den bei den Männchen ausgeprägten Hinterleibsanhängen, die auf dem rechten Foto sehr schön zu erkennen sind. Wenn bei anderen Libellengruppen (insbesondere bei den Vertretern der Segellibellen, wie den Blaupfeilen, Heidelibellen und Sonnenzeigern) gilt, dass die Färbung zur Arterkennung oftmals nicht annähernd ein Kriterium darstellt, lassen sich die Zangenlibellen anhand der Augen, der Hinterleibsanhänge bei den Männchen und der Zeichnung sehr gut als solche erkennen.

Abschnitt des Potamos bei Agia Varvara Lebensraum einer artenreichen Libellengemeinschaft, unter anderem der Kleinen Zangenlibelle 12.05.2013, Agia Varvara, CY
Abschnitt des Potamos bei Agia Varvara
Lebensraum einer artenreichen Libellengemeinschaft, unter anderem der Kleinen Zangenlibelle
12.05.2013, Agia Varvara, CY
Die Kleine Zangenlibelle ist eine typische Fließgewässerart. Sie kommt an besonnten, sauberen, naturnahen Bächen und Flüssen mit wechselnden Fließgeschwindigkeiten und Wassertiefen sowie kiesig-sandigem Untergrund vor. Ebenso besiedelt sie aber auch künstliche Fließgewässer wie Gräben und Kanäle. Auch hier bevorzugt sie die schneller strömenden Bereichen hinter Wehren, Damm- und Brückendurchlässen. Wichtig im Lebensraum der erwachsenen Libellen sind dann sind vegetationsfreie Stellen, entweder als größere Stein- und Geröllinseln im Wasserlauf oder als breiteres steinig-kiesiges Ufer. In der Nähe des Ufers sollten Hochstauden oder kleines Gebüsch zu finden sein, aber auch hier sind vegetationsfreie Bereiche, wie z.B. Kahlstellen auf Feldern oder Wegen notwendig.

Ökologie und Lebensweise

Kleine Zangenlibelle - Onychogomphus forcipatus albotibialis frisch geschlüpftes ♀ der östlichen Unterart 12.05.2013, Agia Varvara, CY
Kleine Zangenlibelle – Onychogomphus forcipatus albotibialis
frisch geschlüpftes ♀ der östlichen Unterart
12.05.2013, Agia Varvara, CY
Wohl ab Ende April verlassen die Larven das Wasser. Sie klammern sich bevorzugt knapp über der Wasseroberfläche auf waagerechte Substrate (Steine, in das Wasser gestürzte Äste, Uferkies, usw.), oftmals befindet sich das Hinterleibsende noch unter Wasser. Dann schlüpfen die Libellen. Innerhalb von zwei bis vier Wochen reifen die jungen Libellen zu geschlechtsreifen Tieren.

Am Morgen orientieren sich zuerst die Männchen Richtung Wasser und setzen sich gerne sonnenexponiert auf Steine, Zweige oder den offenen Boden. Dort warten sie auf paarungsbereite Weibchen. Die Weibchen kommen nur zur Paarung und Eiablage ans Gewässer. Taucht ein Weibchen auf, so wird es sofort von einem Männchen in Beschlag genommen und sehr schnell bildet sich das Paarungsrad. Nach der Befruchtung trennt sich das Paar. Das Weibchen fliegt dann wenige Zentimeter über der Wasseroberfläche bevorzugt in Bereichen, in denen eine Wasserbewegung erkennbar ist (Strömungswellen). Dabei presst sie Eiklumpen heraus, die sie mit wippenden Bewegungen in das Wasser wirft, ohne dieses zu berühren.

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